Compliance-Beratung für Kombinationsprodukte

In der EU ist die Definition von Kombinationsprodukten nicht so eindeutig festgelegt, wie es im 21 CFR 3.2(e) der US FDA geregelt ist. Jedoch lässt sich diese Definition ebenso in der EU anwenden.
Mit Inkrafttreten der EU MDR sind insbesondere die Anforderungen an integrale Kombinationsprodukte gestiegen, deren bestimmungsgemäße Hauptwirkung nicht durch den Medizinprodukteteil erreicht wird. Vereinfacht gesprochen: bei der Zulassung dieser Kombinationsprodukte wird nun neben der Arzneimittelbehörde auch die Benannte Stelle involviert.

Ziel der Compliance-Beratung Kombinationsprodukte ist es, zügig die Erfüllung der Anforderungen sicherzustellen und das Qualitätsmanagement-System auf nationale und internationale Anforderungen hin auszurichten. Effizient und zielgenau.

Neuerungen für integrale Kombinationsprodukte innerhalb der EU

Alle Market Authorization Holder von integralen Kombinationsprodukten, die als Pharmaprodukt zugelassen werden, müssen mit Einführung der EU MDR 2017/745 neue regulatorische Anforderungen erfüllen. Mit Ende der Übergangsfrist im Mai 2021 müssen die Anforderungen aus Artikel 117 umgesetzt sein.

Für die Medizinproduktekomponente – sofern die Komponente selbst kein zugelassenes Medizinprodukt ist – muss fortan eine Bestätigung der Benannten Stelle eingeholt werden, die bescheinigt, dass die grundlegenden Sicherheits- und Leistungsanforderungen gemäß EU MDR Annex I erfüllt sind. Durch diese grundlegenden Sicherheits- und Leistungsanforderungen (GSPR, General Safety and Performance Requirements) sehen sich die Market Authorization Holder mit neuen Anforderungen konfrontiert, zum Beispiel mit dem Risikomanagement nach ISO 14971.

Market Authorization Holder konnten integrale Kombinationsprodukte bisher alleinig über den pharmazeutischen Zulassungsprozess in Europa auf den Markt bringen. Zukünftig müssen jedoch auch Medizintechnik-Regularien Berücksichtigung finden und damit einhergehend Expertenwissen aufgebaut oder hinzugezogen werden.

Die Experten von gempex sind mit Kenntnissen der Behördenanforderungen, fundiertem Know-how und jahrelanger Erfahrung der richtige Ansprechpartner auf dem Gebiet der Compliance für Medizinprodukte und für Arzneimittel.

Überarbeitung der Produktdokumentation

Integrale Kombinationsprodukte, die ab dem 26. Mai 2021 zugelassen wurden bzw. die ab diesem Zeitpunkt eine signifikante Änderung erfahren haben, müssen den neuen Anforderungen des Artikels 117 der EU MDR genügen. Das bedeutet, dass das Medicinal Product Dossier ein „Medizinproduktkapitel“ enthalten muss, das nach der Struktur der grundlegenden Sicherheits- und Leistungsanforderungen aufgebaut ist und alle geforderten Nachweisdokumente beinhaltet.

Ein elementarer Bestandteil ist das Risikomanagement nach ISO 14971, das in der Pharmaindustrie bisher nicht angewandt wird. Die grundlegende Herangehensweise ist der in der ICH Q9 ähnlich. Das Risiko wird im gesamten Produktlebenszyklus analysiert und kontrolliert. Geeignete Maßnahmen zur Risikovermeidung bzw. Risikoverminderung werden umgesetzt, und ebenso die Überwachung deren Wirksamkeit ist ein fester Bestandteil des Prozesses.

Jedoch gibt es auch einige sehr wichtige zusätzliche Forderungen, wie zum Beispiel die sehr detaillierten Anforderungen an einen Risikomanagement-Plan. Zudem kommt das Usability-Engineering nach IEC 62366 als neuer Bestandteil für die Pharmaindustrie hinzu (Stand der Technik, zum jetzigen Zeitpunkt noch keine harmonisierte Norm). Die Entwicklung von Kombinationsprodukten unter Berücksichtigung der Gebrauchstauglichkeit, die eng mit dem Risikomanagement verwoben ist, stellt somit eine weitere, neue Herausforderung dar.

Überarbeitung der QM-Prozesse

Bei den neuen Anforderungen, die sowohl implizit als auch explizit durch Artikel 117 der EU MDR gefordert werden, handelt es sich zum großen Teil um Prozessnormen und um Ergebnisse des Entwicklungsprozesses für Medizinprodukte. So müssen etwa die oben genannten Vorgehensweisen zum Risikomanagement und Usability-Engineering in die Qualitätsmanagementsystem-Prozesse integriert werden. Damit sind auch die Prozesse an den Anforderungen der ISO 14971 und der IEC 62366 auszurichten.

Doch nicht nur in der EU gibt es Anforderungen an das Qualitätsmanagementsystem. Die US FDA stellt gemäß 21 CFR Part 820 (Quality System Regulation) spezielle Anforderungen an Prozesse in den Bereichen Management Responsibility, Design Controls, Purchasing Controls, Corrective and Preventive Action, Installation und Servicing.

Vigilanz-Aktivitäten für Kombinationsprodukte - US-FDA und IMDRF-Codes

Gemäß EU MDR Artikel 117 sind Vigilanz-Aktivitäten für Kombinationsprodukte, den Prozessen der Medizinprodukteindustrie folgend, nicht gefordert. Sie laufen ausschließlich nach den etablierten Prozessen der Pharmaindustrie.

Dahingegen fordert die US FDA Vigilanz-Aktivitäten nach den Prozessen aller Komponenten des jeweiligen Kombinationsproduktes (Biological, Drug, Device). Es gibt seit Juli 2019 eine neue Guidance für das Post Market Safety Reporting. Sie schafft die Möglichkeit, den „mehrschienigen“ Meldeprozess zu vereinfachen: Informationen, die in den unterschiedlichen Meldeprozessen gefordert sind, werden in nur eine Meldung integriert. Die Meldung/ der Meldeweg richtet sich nach der Komponente (Biological, Drug, Device), welche die bestimmungsgemäße Hauptwirkung erreicht.

Zu dieser Meldung gehört bei einem Kombinationsprodukt mit Medizinprodukteteil auch die Kodierung nach den neuen IMDRF-Codes. Sie wurden vom International Medical Device Regulators Forum (IMDRF) entwickelt, um die internationale Harmonisierung der Vigilanz-Aktivitäten zu beschleunigen. Auch in der EU sind die IMDRF-Codes bei Vigilanz-Meldungen mit Medizinprodukten gefordert.

Sicherstellung der Compliance von Kombinationsprodukten

Um die Entwicklung von Kombinationsprodukten und die Belieferung des Marktes mit diesen Produkten in Übereinstimmung mit den Anforderungen sicherzustellen, sollte ein pharmazeutischer Hersteller beispielsweise Folgendes tun:

  • Prüfen, ob das integrale Kombinationsprodukt unter EU MDR Artikel 117 fällt
  • Schulen der Mitarbeiter auf anwendbare Regularien, wie z.B. EU MDR, ISO 14971, IEC 62366, usw.
  • Gap-Analyse der Produktdokumentation gegen EU MDR Annex 1
  • Gap-Analyse des Qualitätsmanagementsystems gegen anwendbare Anforderungen, wie z.B. US FDA 21 CFR Part 820
  • Erstellen eines Compliance-Plans, der Strategie und Schritte zur Einhaltung regulatorischer Vorschriften aufzeigt
  • Installation eines Projekt-Teams durch das Top-Management, um die Umsetzung des Compliance-Plans zu gewährleisten
  • Sicherstellen der zeitnahen Kommunikation sowie Abstimmung mit der Benannten Stelle

Langjährige Praxiserfahrung für maßgeschneiderte Compliance-Lösungen

gempex steht dank langjähriger Industrieerfahrung sowohl in der Medizinprodukte-, als auch in der Pharmaindustrie den Market Authorization Holdern bei allen Compliance-Angelegenheiten kompetent zur Seite. Dabei werden Lösungen nicht vorgefertigt angeboten, sondern individuell auf die Bedürfnisse abgestimmt und effizient umgesetzt.

gempex unterstützt über den gesamten Produktlebenszyklus, so z. B. bei:

  • Durchführung von Gap-Analysen
  • Erstellung von Compliance-/Projekt-Plänen
  • Durchführung von internen Workshops
  • Erstellung der konformen Produktdokumentation
  • Überarbeitung des Produktrisikomanagement-Systems unter Berücksichtigung der ISO 14971
  • Vorbereitung der Bewertung durch die Benannte Stelle
  • Überarbeitung von Prozeduren & Arbeitsanweisungen bzw. des gesamten Qualitätsmanagementsystems unter Berücksichtigung der anwendbaren Abschnitte der 21 CFR 820, US FDA Guidelines (z. B. Post Market Safety Reporting) und anderen anwendbaren Regularien
  • Training des Personals
  • Durchführung von Mock-up-Audits
  • Kommunikation und Abstimmung mit der Benannten Stelle

Vorteile

  • Sicheres Regularienwissen in der Medizinprodukte- und Pharmaindustrie
  • Strukturierte und zügige Ermittlung des erforderlichen Aufwands
  • Erfahrung und Routine beim Einbinden von Compliance-Funktionen
  • Zielgenaue Ausrichtung auf Produkt, Prozess und Projekt
  • Effizientes Training der Mitarbeiter on-the-job
  • Übernahme von Kommunikation und Abstimmung mit der Benannten Stelle